Unterschiede zur Stockform

Wie bereits in einem vorhergehenden Blogbeitrag erwähnt, kann man zu einer Waffenform übergehen, wenn man die Tai Chi Grundlagen in einer Handform gelernt und vertieft hat. Heute möchte ich die 32er Schwertform vorstellen. Im Gegensatz zur Stockform, wo beide Hände Kontakt zum Stock haben, wird das Schwert nur mit einer Hand geführt. Die freie Hand verstärkt die Wirkung des Schwertes in dem sie die „Schwertfinger“ formt.

Das Tai Chi Schwert

Das zweischneidige Tai Chi Schwert  (Jian genannt) steht für klare Entscheidungen und hat etwas Endgültiges. Meditative und tänzerische Aspekte verschmelzen miteinander. Es wird bei den chinesischen Wandlungsphasen dem Wasser zugeordnet und genauso fließend und geschmeidig sollte die Form gelaufen werden. – Aber wir kennen auch die Kraft des Wassers in der Natur…

In der Tierwelt ist das Schwert der Schlange oder auch dem Phönix (einem Vogel aus der mystischen Welt) zugeordnet. Vergleichbar sind auch die charakteristischen Bewegungen des Schwertes, weich fließend, geschmeidig, schlängelnd und trotzdem kraftvoll. Das Tai Chi Schwert wird zum Symbol eines auf Harmonie und inneren Gleichklang abzielenden Bewegungsablaufes.

Der Umgang mit dem Schwert

Der schwarze Drache

32er Schwertform

Der Umgang mit dem Schwert erfordert noch mehr Disziplin als mit dem Stock. Mit Hilfe dieser Waffenform können jedoch die eigen Fähigkeiten vertieft und erweitert werden, da hier wieder neue Bewegungen und Abläufe erlernt werden.

Die ursprüngliche Schwertform (Yang-Stil) hat 54 Sequenzen. Die hier vorgestellte Variante wurde auf 32 Bilder reduziert und in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt. Mit dieser Form soll der Einstieg in das Tai Chi einem breiterem Publikum ermöglicht werden, ähnlich der 24er Peking-Form.

Meine Erfahrungen mit der 32er Schwertform

Als ich mit Tai Chi begann, wollte ich nie eine Waffenform lernen. Interessanter Weise lernte ich aber die Schwertform als zweite Form. Anfangs fühlte es sich nicht richtig an. Das Schwert in meiner Hand forderte viel Aufmerksamkeit und ich fand nicht die gewohnte Entspannung wie bei der Handform. Es dauerte gut ein viertel Jahr, bis ich mich mit dem Schwert anfreunden konnte. Heute liebe ich die weichen, harmonischen Bewegungen dieser Form.